Redispatch 2.0 - Marktbefragung

Von Frank Hirschi

Das Netzausbaubeschleunigungsgesetz 2.0 (NABEG)  bringt mit dem Redispatch 2.0 neue Anforderungen an Verteilnetzbetreiber mit sich. Verteilnetzbetreiber werden ab dem 01.10.2021 verpflichtet, Einspeiseanlagen mit einer Leistung von über 100 kW sowie alle sonstigen fernschaltbaren Anlagen im Falle von Netzengpässen zu steuern. Einzelne Verteilnetzbetreiber sowie Softwarehersteller fragen sich, ob die komplexen Redispatch-Prozesse fristgerecht implementiert werden können.

In Arbeitskreisen der Verbands- und Netzbetreiberprojekte (BDEW-Projekt und Connect+) werden die erforderlichen Prozesse und Szenarien erarbeitet, abgestimmt und veröffentlicht. Das letzte verbindliche Festlegungsverfahren zum Redispatch der Bundesnetzagentur wurde im März 2021, rund ein halbes Jahr vor Go-Live, veröffentlicht.

Wie bewerten Sie den Stand der Umsetzung von Redispatch 2.0? Mit einer Marktbefragung versuchen wir die Erwartungen der Unternehmen transparent zu machen: Halten die Marktteilnehmer/innen die fristgerechte Implementierung des neuen Redispatch-Regimes für möglich?

Unter folgendem Link können Sie an Umfrage teilnehmen  (Bearbeitungszeit ca. 2 Minuten):

> Auswertung der Marktbefragung anfordern (die Umfrage ist seit dem 30. April geschlossen)

Die Ergebnisse der Befragung werden im Teilnehmerkreis verteilt.

Sprechen Sie uns auch gerne an, wenn Sie Beratung zum Thema Redispatch 2.0 wünschen!

 


Novellierung der Heizkostenverordnung

Bis zum 25. Oktober 2020 hätte die europäische Energieeffizienzrichtlinie (EED) bereits in nationales Recht umgesetzt werden sollen. Ein knappes halbes Jahr später wurde nun ein Referentenentwurf zur Novellierung der Heizkostenverordnung (HKVO) von Bundeswirtschafts- und Bundesbauministerium verteilt.

Fernablesbarkeit und unterjährige Verbrauchsinformationen

Zum 01. Januar 2027 ist die Umrüstung auf fernablesbare Zähler, Mess- und Erfassungsgeräte für alle Gebäudebestände vollständig abzuschließen. Bereits jetzt greift aber schon die Verpflichtung zur Bereitstellung unterjähriger Verbrauchsinformation, ab 2022 sogar monatlich. Tägliche Verbrauchsmitteilungen sahen die Ministerien als zu weitgehende Einblicke in die persönliche Lebensführung an. IT-technisch stellt die eigentliche Informationsbereitstellung lt. Angaben der Anbieter im Markt keine Herausforderung dar. Knackpunkte könnten eher die erweiterten Informationspflichten, bspw. zum Brennstoffmix, zu erhobenen Steuern und Abgaben sowie Vergleiche zum gleichen Zeitraum des Vorjahres sein. Dass der Gesetzgeber es damit ernst meint, wird an den Sanktionssätzen deutlich: Gebäudeeigentümer, die keine Fernablesbarkeit gewährleisten oder den Informationspflichten nicht (vollständig) nachkommen, sehen sich Mieter/innen gegenüber, denen ein Kürzungsrecht von 3 Prozent des Abrechnungsanteils zusteht.

Markteintrittsbarrieren gesenkt und Wettbewerbsmöglichkeiten erhöht

Darüber hinaus ist aber vor allem die Stärkung des Wettbewerbs ein Kernaspekt der HKVO-Novelle. So muss die Interoperabilität der fernablesbaren Ausstattungen zur Verbrauchserfassung (samt Schnittstellen) gewährleistet werden – damit müssen die derzeit vielfach im Einsatz befindlichen proprietären Systeme weichen und standardisierten Lösungen Platz machen. Auch die Trennung von Geräten und Dienstleistungen wird durch die HKVO-Novelle erleichtert.

Verbindung von Submetering und intelligentem Messstellenbetrieb

Auch die Rolle des Smart-Meter-Gateways (SMGw) als sektorübergreifende sichere Kommunikationsplattform wird gestärkt. So müssen Submeter technisch an ein SMGw angebunden werden können, der Einsatz eines SMGw ist jedoch vorläufig weiterhin nicht verpflichtend vorgegeben. Diese Harmonisierung mit dem Gebäudeenergiegesetz basiert auf expliziten Sicherheits- und Interoperabilitätsansprüchen an die eingebaute Technik. Strom-Messstellenbetreiber werden ohnehin seit dem 1. Januar 2021 durch § 6 des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG) in die Lage versetzt, spartenübergreifende Messdienstleistungen über das sichere SMGw anzubieten. Seitdem können Vermieter ihre Mieter bei der Auswahl eines MSB zuvorkommen, wenn die gesamte Liegenschaft mit intelligenten Messsystemen ausgerüstet, und neben Strom auch Gas oder Wärme angebunden wird.

Markteintritt erleichtert und Chancen für Stadtwerke

Stadtwerken bietet sich nun die Möglichkeit, den Submetering-Markt zu erschließen. Die vom Bundeskartellamt in der „Sektoruntersuchung Submetering“ aus dem Jahr 2017 angeprangerten Wettbewerbshürden werden nämlich in einigen Teilen beseitigt. In einer ersten Stufe bestehen insbesondere bei Neubauten kaum noch Marktzutrittsschranken, da auch ohne SMGw und intelligenten Messstellenbetrieb bereits Submeter-Auslesungen möglich werden. In einer zweiten Stufe können insb. grundzuständige Messstellenbetreiber ihre „eh-da“-Infrastruktur mit Submetering-Anwendungen harmonisieren - durch die perspektivische Ausübung von §6 MsbG (vgl. Abbildung 1). Danach können sie Bestandsmessdienstleister in den attraktivsten Liegenschaften durch eine Bündelung von Smart Metering und Submetering unter bestimmten Bedingungen entschädigungslos ablösen und den MSB-Business-Case durch lukrative Zusatzeinnahmen stärken.

Welche Schritte können Stadtwerke nun konkret tun?

Der strategische Einstieg in das Geschäftsfeld Submetering ist detailliert zu konzipieren. Konkret ist abzuleiten, welchen Zielmarkt man mit welchem Produktportfolio bedienen möchte. Darauf aufbauend ist zu entscheiden, die Wertschöpfungstiefe im eigenen Haus aufzubauen oder über Dienstleister an Bord zu holen. Aktuell positionieren sich einige Start-ups mit Plattformlösungen am Markt, die eine kurze „Time-to-Market“ für die erste Stufe des klassischen Submeterings versprechen. Hier gilt es jedoch genau zu prüfen, ob die Systemlösungen und der Abrechnungskern zur eigenen IT-Systemlandschaft passen. Hier besteht ein hoher Differenzierungsgrad, welcher auf Seite der Hardware-Komponenten perspektivisch durch offene Gerätestandards wie bspw. OMS vernachlässigbarer wird. Nach der strategischen Ausrichtung gilt es jedoch auch die operative Umsetzung, inkl. der IT-System-Implementierung, Teststellungen, Pilotprojektierungen sowie dem Vertriebsaufbau, vorzubereiten.

Abbildung 1: Stadtwerke können den Markteinstieg mit klassischem Submetering beginnen und in der Folge auch bereits verbaute Geräte über das SMGw aufschalten

 


Rolloutverpflichtung für Smart Meter vom OVG Münster vorläufig gestoppt – was bedeutet dies für die Branche?

Rolloutverpflichtung für Smart Meter vom OVG Münster vorläufig gestoppt


Was bedeutet dies für die Branche?

Das nicht enden wollende Drama der Digitalisierung der Energiewende geht in die nächste Runde! Per Eilbeschluss hat das Oberverwaltungsgericht Münster die Vollziehbarkeit der sog. Markterklärung des BSI zur technischen Möglichkeit des Einbaus intelligenter Messsysteme nach § 30 MsbG gekippt. Da die entsprechende Allgemeinverfügung die Rollout-Pflicht von Smart Metern für den grundzuständigen Messstellenbetreiber überhaupt erst begründet hat, wirft dies eine Vielzahl juristischer und kaufmännischer Fragen auf.

Betroffene Unternehmen müssen kurzfristig Entscheidungen treffen und Lösungen finden, um einen drohenden wirtschaftlichen Schaden abzuwenden:

  • Was heißt der Beschluss für die Abrechnungsfähigkeit der an der Preisobergrenze orientierten Messentgelte?
  • Wie ist der gegenwärtige Status der Umsetzungspflicht und welche (neuen) Fristen sind für den Einbau intelligenter Messsysteme zu unterstellen?
  • Hat der Beschluss Auswirkungen auf die Entwicklung des Wettbewerbs?
  • Und was bedeutet die vom Gericht geäußerte Einschätzung, dass die am Markt verfügbaren intelligenten Messsysteme den gesetzlichen Anforderungen voraussichtlich gar nicht genügen, für bestehende Verträge über die Lieferung und den Einbau ebensolcher Geräte?

Hogan Lovells & HORIZONTE-Group stehen als kompetenter Ansprechpartner für all Ihre Fragen zur Verfügung! Sprechen Sie uns gerne jederzeit an:

stefan.schroeder@​hoganlovells.com

jochen.buchloh@HORIZONTE.Group


metelligent in der Presse

metelligent in der Presse


E-Paper Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK)

Die metelligent GmbH, mit Sitz in Baunatal, wurde durch die HORIZONTE-Group AG gemeinsam mit dem langjährigen Kunden EAM Netz gegründet. Das neue Unternehmen unterstützt Messstellenbetreiber beim Rollout durch die fachgerechte Montage von Smart Metern. Mehr dazu erfahren Sie auf S. 14 der ZfK – das ePaper finden Sie hier: Link

Ein ausführliches Interview mit den Geschäftsführern der HG sowie Herrn Wirtz von der EAM Netz findet man auch im Online-Interview mit der ZfK: Link

Sie haben kein ZfK-Abonnement? Kommen Sie gerne auf uns zu und wir stellen Ihnen die wichtigsten Informationen zur Verfügung. Zu den ersten Schritten der metelligent GmbH berichteten wir bereits hier: Link


Referentenentwurf zum Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetz vorliegend und wieder zurückgezogen

Wo bleibt die Klarheit für Letztverbraucher und Netzbetreiber?

In ihrem aktuellen Artikel beschäftigt sich die HORIZONTE-Group mit Inhalten und Auswirkungen des vorliegenden Referentenentwurfes zum Steuerbare-Verbrauchseinrichtungen-Gesetz vom 22.12.2020, welcher im wesentlichen die erwartete Neuregelung des § 14a EnWG umfasst.

Update:

Wenige Tage später wurde der Entwurf zurückgezogen. Lesen Sie die Begründung des Wirtschaftsministeriums:

https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2021/01/20210117-berichterstattung-welt-am-sonntag-laden-von-e-autos.html

 


Geänderte Regulierungsvorgaben für 2021

Jetzt wird es spannend


Jetzt wird es spannend

Den Energieversorgungsunternehmen in Deutschland steht aus regulatorischer Sicht eine spannende Zeit bevor. Das gilt einmal mehr für Digitalisierung der Energiewende. Zahlreiche Gesetze, Normen und Analysen wurden soeben veröffentlicht, befinden sich in der Konsultation oder bereits im Gesetzgebungsverfahren. Bleibt es beim Zeitplan des Gesetzgebers bzw. der involvierten Behörden, gibt es 2021 eine Menge neuer Vorschriften zu lesen, zu interpretieren und in die betriebliche Praxis zu überführen.

Marktanalyse 1.2

Am 12. November erschienen ist die aktuelle Marktanalyse. Entgegen den Erwartungen aus Januar wurden die Einbaufallgruppen der Einspeisung bzw. des § 14a EnWG noch nicht für den Einbau von intelligenten Messsystemen bestätigt. Überraschend jedoch: Die Anbindbarkeit von Gaszählern gem. § 40 Abs. 2 MsbG wird nun als technisch möglich bewertet.

Wesentlich spannender jedoch sind die auf der Basis von intelligenten Messsystemen vorgesehenen Entwicklungen für das Smart Grid. Hier sind zwei Themenfelder zu unterscheiden – die Einspeisung auf der einen und die der steuerbaren Verbrauchseinrichtungen gem. § 14a EnWG auf der anderen Seite. In beiden Bereichen stehen wir kurz vor Neuregelungen.

EEG Novelle 2021 in den Startlöchern

Das EEG befindet sich mit der Novelle 2021 bekann-termaßen mitten im Gesetzgebungsverfahren. Aktuell werden die Entwürfe zwischen Regierung und Parlamen-ten diskutiert. Aus Perspektive des Messwesens interess-ant ist, ob künftig auch bei Anlagen mit einer installierten Leistung größer 1 kW intelligente Messsysteme eingebaut werden müssen. Nach aktuellem Stand bleibt es trotz der Einwände des Bundesrates bisher bei der Position des Ministeriums zur Ausweitung der Einbauverpflichtungen über den im MsbG definierten Umfang hinaus.

HG hat die Verpflichtungsregelungen aus der Perspektive der Ausbauverpflichtung von EEG-Anlagen für Sie analy-siert (wir senden Ihnen gerne eine Zusammenfassung).

Neuregelung § 14a EnWG – Spitzenglättung?

Die Diskussionen zum § 14a EnWG erfolgen im Gegensatz zu denen der EEG-Novelle eher verborgen vor der größeren Öffentlichkeit. Nach Aussagen des BMWi im Rahmen der BDEW Fachtagung Messwesen vom 11. November 2020 soll es jedoch sehr zeitnah zur Veröffentlichung von Entwürfen für eine Neuregelung kommen.

Zwischen den Zeilen konnte man auch heraushören, dass das BMWi weiterhin viel Sympathie für das im Barometerprojekt-Gutachten zum Topthema 2 „Regulierung, Flexi-bilisierung und Sektorkopplung“ empfohlene Modell der Spitzenglättung zur Absicherung der Netzstabilität hat (wir senden Ihnen gerne eine Zusammenfassung).

Stufenmodell – strategischer Entwicklungsrahmen

Mit dem sog. Stufenmodell hat das BSI ein langfristig angelegtes Konzept zur Weiterentwicklung des intelligenten Messwesens bzw. Smart Meter Gateways vorgelegt. In mehreren sog. Stufen sollen in den nächsten Jahren die Voraussetzungen geschaffen werden, um aus der bestehenden Nische des intelligenten Messwesens einen breit angelegten Infrastrukturansatz zu entwickeln. Auch das Stufenmodell wird aktuell auf Basis der Ergebnisse der Konsultation überarbeitet und wird in Kürze in überarbeiteter Form erscheinen.


Outsourcing auf dem Prüfstand

Outsourcing auf dem Prüfstand


Ausgabe 07/2020 der Zeitschrift „50,2 – Das Magazin für intelligente Stromnetze“

Die Unternehmen des Energiesektors sind einem sich dynamisch entwickelndem Umfeld ausgesetzt. Dezentralisierung und Energiewende verlangen stabile, effiziente und hochautomatisierte Prozesse. Dies kann vielfach nur durch den Einsatz des richtigen Dienstleisters gelingen. In den vergangenen Jahren haben wir als HORIZONTE-Group eine Vielzahl von Unternehmen erfolgreich auf dem Weg in verschiedenartige Providermodelle begleitet. Dieses Know-how haben wir genutzt und ein standardisiertes Vorgehensmodell, bestehend aus fünf aufeinander abgestimmten Arbeitsschritten, entwickelt (hier mehr dazu). Der HORIZONTE-Group-Kunde Westfalen Weser Netz (WWN) ist diesen Weg mit uns gegangen. Lesen Sie die Geschichte dazu:

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Submetering-Leitfaden für EVU

Submetering-Leitfaden für EVU


Die Experten Dr. Roland Olbrich und Frank Hirschi der HORIZONTE-Group begleiten Sie gerne bei der Konzipierung und Aufstellung eines Submetering-Projekts!

Was sind die zentralen Herausforderungen im Submetering, ist ein intelligentes Messsystem dabei ein Muss und warum sollten sich Stadtwerke hier positionieren? Ein Interview mit unseren Experten der HORIZONTE-Group in der ZfK.

Dr. Roland Olbrich und Frank Hirschi schildern im Interview mit der Zeitung für kommunale Wirtschaft, warum es für Stadtwerke wichtig ist, in den Submetering-Markt einzusteigen.

Auf Basis des von der HORIZONTE-Group konzipierten Leitfadens zum Einstieg in den Submetering-Markt werden die drei wesentlichen Herausforderungen für Kommunalversorger beschrieben: die eigene Positionierung, die Auswahl geeigneter Dienstleister und das Beherrschen der Technik.

Zudem führen die beiden Experten aus, dass sich das intelligente Messsystem auch im Submetering durchsetzen wird. Ein iMSys-Vollrollout werde sich mit den gesetzlich festgelegten Preisobergrenzen jedoch kaum umsetzen lassen. Aber auch die EEG-Novelle hält für das Messwesen einige Neuerungen bereit.

Lesen Sie den ganzen Artikel hier auf der ZfK-Website.

Das Interview sowie unseren Beitrag aus der ZfK-Printversion finden Sie hier.

Sie haben Interesse an unserem Leitfaden? Füllen Sie einfach die MS-Forms-Abfrage aus und Sie erhalten zeitnah unsere Rückmeldung mit den gewünschten Informationen.

 

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Kommunalversorger sollten sich aus 2 Perspektiven mit dem Submetering beschäftigen

Kommunalversorger sollten sich aus 2 Perspektiven mit dem Submetering beschäftigen


Ausgabe 09/20 der Zeitung für kommunale Wirtschaft ZfK

Was sind die zentralen Herausforderungen im Submetering, ist ein intelligentes Messsystem dabei ein Muss und warum sollten sich Stadtwerke hier positionieren? Wir schildern im ZfK-Interview, warum es für Stadtwerke wichtig ist, in den Submetering-Markt einzusteigen.

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Neuerungen aus dem Gesetzgebungsverfahren des EEG 

Neuerungen aus dem Gesetzgebungsverfahren des EEG 2021


Im Herbst 2020 geht das EEG-Novellierungsverfahren in die heiße Phase. Die aktuellen Entwürfe bringen vielfältige, zum Teil spektakuläre Neuregelungen. Wir geben einen Überblick, was diese für das 'Intelligente Messwesen' bedeuten würden.

Nach Konsultationsstadium nun ins Kabinett

Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) wird bereits seit längerer Zeit erwartet – ein weiter geschärfter Referentenentwurf liegt nun seit Montag, dem 14. September vor. Das EEG 2021, wie es vom federführenden Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie (BMWi) benannt wurde, befand sich in der Kalenderwoche 38 im Prozess der Stakeholder- und interministeriellen Konsultation, bevor es nun am 23. September 2020 dem Regierungskabinett vorgelegt wird. Vorbehaltlich verschiedener Änderungen bleibt die nächste Revision des EEG, die im Januar 2021 in Kraft treten soll, den Grundprinzipien des Gesetzes treu, die Erzeuger von Strom aus erneuerbaren Energien marktfähiger zu machen, indem sie an Ausschreibungen für erneuerbare Energien festhält und gleichzeitig neue Entwicklungen wie die nationale Wasserstoffstrategie 2020 und die Strompreisgestaltung für das Laden von E-Autos einbezieht. Dennoch äußern viele Verbände und Interessengemeinschaften deutliche Kritik an der Novelle, und auch am Umstand, dass ihnen lediglich 72 Stunden zur Kommentierung des 140-Seiten starken Entwurfs zugestanden wurden. Im Folgenden wird auf einige dieser Kritikpunkte kurz eingegangen.

Ausweitung der Smart-Meter-Pflicht

Einige Stakeholder, bspw. Anlagenbetreiber und die Metering-Branche traf der aktuelle Entwurf wie ein Schlag: Die gesetzliche Rolloutverpflichtung von intelligenten Messsystem (iMSys) aus dem Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) gegenüber Einspeisern wird demnach im Entwurf von § 9 des EEG erweitert. Lag die Untergrenze für den Einsatz von iMSys bisher bei 7 kWp, sollen laut dem Referentenentwurf zukünftig bereits Anlagen ab 1 kWp mit iMSys ausgestattet werden. Hintergrund ist, dass die Ist-Einspeiseleistung, also der Tarifanwendungsfall (TAF) 9, auch für solche Anlagen durch den Netzbetreiber abrufbar sein soll, um Maßnahmen bei unterschiedlichen Netzzuständen ergreifen zu können. Für Anlagenbetreiber bedeutet der verpflichtende Einsatz von iMSys voraussichtlich jedoch erst einmal lediglich höhere Kosten ohne größeren Nutzen. Die aktuell verfügbaren TAFs1 bieten Anlagenbetreibern nämlich, wie Verbände und Verbraucherschützer kritisieren, keinen Mehrwert zu der aktuell eingesetzten proprietären Technik. Welche Kosten genau auf die Betreiber der tausenden betroffenen Anlagen zukommt, verrät der Entwurf aber noch nicht.

Doch der Referentenentwurf geht noch weiter. Nicht nur eine Ausweitung der mit iMSys auszustattenden Einspeiser ist im Gespräch, sondern auch, an welchen Anlagen künftig Steuertechnik vorzusehen sein wird, unterliegt einer Änderung. Um Netzbetreibern tatsächlich auch Netzeingriffe zu ermöglichen, sollen bereits Anlagen ab 15 kWp verpflichtend mit Steuerboxen ausgerüstet werden. Die dafür notwendige CLS-Technik hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, wenngleich die Branche bisher noch immer auf verbindliche regulatorische Rahmenbedingungen wartet. Aber auch hierauf geht die Novelle kurz ein und legt dar, dass das „Ziel einer konsistenten und ambitionierten Digitalisierungsstrategie erfordert, dass möglichst viele Erneuerbare-Energien- und KWK-Anlagen ausschließlich über zertifizierte Smart-Meter-Gateways und nach den technischen Richtlinien und Schutzprofilen des BSI interoperabel und sicher ferngesteuert werden. Damit verfolgt die Bundesregierung das Ziel, für das zukünftige Energieinformationsnetz weitere Standards nach § 27 MsbG zu entwickeln, um stufenweise eine sichere Fernsteuerung von technischen Anlagen über weiterentwickelte Standards und zertifizierte Technik durchzusetzen.“

Ausgenommen von den Regelungen seien Anlagen, die sich bereits in der Direktvermarktung befinden.

Die beiden geplanten Maßnahmen sollen innerhalb von fünf Jahren umgesetzt sein – nach erfolgter Markterklärung gemäß MsbG versteht sich. Letztere, mutmaßt die Zeitung für kommunale Wirtschaft, könne bereits im Rahmen der BSI-Marktanalyse Ende Oktober erfolgen. Erklärt werden diese Verpflichtungen als „zwingende Voraussetzung für die Umsetzung einer umfassenden Digitalisierungsstrategie.“ Ebenfalls wird sodann in der Erklärung auf das Gesamtziel verwiesen, bis 2030 möglichst viele Messstellen mit iMSys auszustatten, um möglichst viele energiewenderelevante Anwendungen sicher (bspw. vor Cyber-Angriffen) in das intelligente Energienetz zu integrieren.

Schneller zum klimaneutralen Stromsektor

Neben dem Messwesen betrifft die EEG-Novelle auch noch viele weitere Bereiche der Energiewirtschaft. Erneuerbare Energien sollen schneller wachsen, billiger werden und mehr Akzeptanz finden, damit die Klima- und Umweltziele erreicht werden können. Das Ziel Deutschlands, vor der Mitte des Jahrhunderts treibhausgasneutral zu werden, wird so auch in das EEG 2021 aufgenommen. Dabei soll der Stromsektor bereits im Laufe der 2040er Jahre klimaneutral werden.

Durchbruch für den Mieterstrom?

Der Referentenentwurf will auch dem so genannten „Mieterstrom“ zum Durchbruch verhelfen. Während Hausbesitzer schon seit langem von der Energiewende profitieren können, indem sie PV-Anlagen auf ihren Dächern installieren und dafür Einspeisevergütungen erhalten, konnten Menschen, die in Mietwohnungen leben, bisher nur bedingt an der Energiewende partizipieren. Vermieter größerer Objekte hatten oft nicht genügend Anreize, Solaranlagen auf diesen Häusern zu installieren und sie von ihren Mietern nutzen zu lassen. Das EEG 2021 erhöht jetzt aber die Höhe des Mieterstromaufschlags, um die Attraktivität zu erhöhen.

Negativen Strompreisen soll entgegengetreten werden

An einer anderen Front wird jedoch gespart: Um zukünftig seltener negative Strompreise im Markt zu haben, welche den Erneuerbare-Energien-Zuschlag in die Höhe treiben, setzt das EEG 2021 Anlagenbetreibern neue Anreize, flexibler zu reagieren, um eine Überproduktion zu vermeiden. Damit sollen Situationen mit geringer Stromnachfrage aber hoher gleichzeitiger Stromeinspeisung aus konventioneller plus erneuerbarer Energie entschärft werden. Lösungsmöglichkeiten sieht der Entwurf auch direkt vor: „Anlagenbetreiber müssen künftig eigene Wege finden, sich gegen Negativpreisphasen abzusichern, indem sie z.B. Kooperationen mit Speicherbetreibern eingehen, neue Anlagentechnik einsetzen, (…) oder Absicherungsgeschäfte am Stromterminmarkt tätigen.“

Mehr Markt, mehr Digitalisierung

Zusammenfassend gibt der Referentenentwurf einen Weg vor, der auf „mehr Markt“ und die konsequente Digitalisierung der Energiewende auf Basis von iMSys und ihrer sicheren Kommunikationsplattform setzt. Der weitere Gesetzgebungsprozess, sowie die parallellaufenden Entwicklungen im Rahmen des sogenannten Stufenmodells zur Weiterentwicklung der erweiterten iMSys-Standards sowie der Anpassung des §14a des Energiewirtschaftsgesetzes lassen einen heißen Herbst erahnen. Der Wandel als einzige Konstante für die Energiewirtschaft – wir analysieren das Thema weitergehend für Sie, kommen Sie auf uns zu!