e|m|w-Magazin: Was man nicht messen kann, kann man nicht steuern
In ihrem Beitrag „Was man nicht messen kann, kann man nicht steuern“ erläutern unser Senior Partner Jochen Buchloh und unser Manager Frank Hirschi ausführlich, warum viele grundzuständige Messstellenbetreiber (gMSB) ihre tatsächliche Wirtschaftlichkeit nicht kennen und welche Steuerungsansätze sich daraus ableiten lassen.
Der Rollout moderner Messeinrichtungen und intelligenter Messsysteme schreitet voran. Doch wie wirtschaftlich arbeitet der grundzuständige Messstellenbetrieb tatsächlich?
Diese Frage lässt sich in vielen Unternehmen nicht eindeutig beantworten. Zwar liegen Daten zu Einbauzahlen, Rolloutquoten oder technischen Prozessen vor. Ein belastbares Gesamtbild über Leistungen, Kosten und Erlöse fehlt jedoch häufig.
Genau hier liegt eine zentrale Herausforderung. Denn der grundzuständige Messstellenbetrieb folgt einer anderen wirtschaftlichen Logik als der regulierte Netzbetrieb.
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Ein eigenständiges wirtschaftliches Geschäftsfeld
Mit dem Messstellenbetriebsgesetz wurde der grundzuständige Messstellenbetrieb für moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsysteme aus der klassischen Refinanzierungslogik der Anreizregulierung herausgelöst.
Die Refinanzierung erfolgt im Wesentlichen über Preisobergrenzen für Standardleistungen sowie über verpflichtende und optionale Zusatzleistungen nach § 34 MsbG. Während die Erlösmöglichkeiten damit weitgehend vorgegeben sind, werden die Kosten durch technische Anforderungen, zunehmende Digitalisierung und komplexere Prozesse beeinflusst.
Für die wirtschaftliche Steuerung ergibt sich daraus eine klare Konsequenz. Wenn der Erlösrahmen nur begrenzt verändert werden kann, müssen Leistungen und Kosten umso genauer verstanden und gesteuert werden.
In vielen Unternehmen ist diese Transparenz bislang jedoch nicht ausreichend vorhanden.
Historisch gewachsene Strukturen erschweren die Zuordnung
Der grundzuständige Messstellenbetrieb ist organisatorisch nur selten als eigenständige Einheit aufgestellt. Mitarbeitende, Systeme und Prozesse werden häufig gemeinsam mit dem konventionellen Messwesen oder weiteren Sparten wie Gas, Wasser und Wärme genutzt.
Auch die Abgrenzung zum Netzbetrieb, zum Vertrieb und zu zentralen Unternehmensfunktionen ist im operativen Alltag nicht immer eindeutig. Das führt dazu, dass Leistungen und Kosten nicht verursachungsgerecht zugeordnet werden können.
Betroffen sind insbesondere mehrere Kostenbereiche.
- Personalkosten
Mitarbeitende übernehmen häufig Aufgaben für unterschiedliche Marktrollen und Sparten. Dazu gehören beispielsweise Geräteverwaltung, Rolloutplanung, Wechselprozesse, Störungsbearbeitung, Abrechnung und Marktkommunikation.
Ohne eine nachvollziehbare Erfassung bleibt unklar, welcher Aufwand tatsächlich dem grundzuständigen Messstellenbetrieb zuzurechnen ist.
- IT- und Systemkosten
ERP-Systeme, Energiedatenmanagement, Marktkommunikation, Workforce-Management, Portale, Schnittstellen sowie Sicherheits- und Kommunikationsinfrastrukturen werden meist von mehreren Unternehmensbereichen genutzt.
Die technische Nutzung eines Systems zeigt jedoch nicht automatisch, welcher Bereich die entstehenden Kosten wirtschaftlich tragen sollte.
- Prozesskosten
Der digitale Messstellenbetrieb bringt zusätzliche und teilweise neue Prozesse mit sich. Dazu zählen unter anderem die Beschaffung und Konfiguration der Geräte, die Gateway-Administration, die Messwertverarbeitung, das Störungsmanagement, die Steuerbarkeit und die Abwicklung von Zusatzleistungen.
Sind diese Abläufe nicht sauber in Kostenstellen oder Prozesskostenmodellen abgebildet, lässt sich ihre Wirtschaftlichkeit kaum bewerten.
- Dienstleister- und Plattformkosten
Viele Messstellenbetreiber beziehen Leistungen wie Gateway-Administration, IT-Plattformen, Kommunikationsanbindung, Rollout-Unterstützung oder CLS-Management von externen Anbietern.
Gerade bei noch geringen Rolloutmengen können Fixkosten die Wirtschaftlichkeit erheblich beeinflussen. Umso wichtiger ist es, interne und externe Leistungserbringung belastbar miteinander vergleichen zu können.
- Gemeinkosten und Overhead
Auch Controlling, Einkauf, Recht, Datenschutz, IT-Sicherheit und Projektmanagement leisten einen Beitrag zum Messstellenbetrieb. Pauschale Umlagen bilden diesen Beitrag jedoch häufig nur unzureichend ab.
Für eine wirksame Steuerung muss nachvollziehbar sein, welche Leistungen tatsächlich in Anspruch genommen werden und welche Kosten daraus entstehen.
Fehlende Transparenz erschwert wichtige Entscheidungen
Ohne ein belastbares Bild der Kosten- und Erlössituation fehlen die Grundlagen für zentrale strategische und operative Entscheidungen.
Dazu gehören unter anderem folgende Fragen:
- Soll die Gateway-Administration selbst erbracht oder ausgelagert werden?
- Sind Kooperationen oder Plattformmodelle wirtschaftlich sinnvoll?
- Welche Rolloutcluster verursachen besonders hohe Kosten?
- Welche Prozesse sollten stärker standardisiert oder automatisiert werden?
- Wo entstehen tatsächlich Skaleneffekte?
- Welche Zusatzleistungen können einen Beitrag zur Refinanzierung leisten?
Solche Entscheidungen sollten nicht allein auf technischen Einschätzungen oder pauschalen Annahmen beruhen. Sie benötigen eine nachvollziehbare wirtschaftliche Datengrundlage.
Drei Schritte zu einer wirksamen Steuerung
Um den grundzuständigen Messstellenbetrieb wirtschaftlich steuern zu können, sind aus unserer Sicht drei Voraussetzungen entscheidend.
1. Eine eindeutige Gesamtverantwortung etablieren
Die technische und wirtschaftliche Verantwortung für das Metering sollte an einer zentralen Stelle zusammengeführt werden. Dazu gehört auch die Verantwortung für Prozesse, Systeme, Kosten und Erlöse.
Nur wenn Zuständigkeiten eindeutig definiert sind, kann das Geschäftsfeld entlang gemeinsamer Ziele gesteuert werden.
2. Kosten und Erlöse verursachungsgerecht zuordnen
Im nächsten Schritt müssen die relevanten Leistungsbereiche beschrieben und die zugehörigen Kosten- und Erlöspositionen eindeutig abgegrenzt werden.
Vorhandene Funktions- und Prozessmodelle bieten hierfür eine geeignete Grundlage. Entscheidend ist, dass gemeinsam genutzte Ressourcen nicht lediglich pauschal verteilt, sondern anhand nachvollziehbarer Kriterien zugeordnet werden.
3. Funktionsbereiche über Zielkosten steuern
Da der Erlösrahmen weitgehend vorgegeben ist, sollte die Steuerung des Messstellenbetriebs auf klaren Kostenvorgaben für die einzelnen Leistungsbereiche aufbauen.
Ein kontinuierliches Monitoring zeigt, wo Zielwerte eingehalten werden, wo Abweichungen entstehen und welche Maßnahmen erforderlich sind. Es schafft zugleich die Grundlage für Entscheidungen über Automatisierung, Kooperationen oder die Auslagerung einzelner Leistungen.
Digitalisierung wirkt erst auf einer belastbaren Datengrundlage
Automatisierung und künstliche Intelligenz können dabei helfen, personalintensive Prozesse zu vereinfachen und Abläufe effizienter zu gestalten. Ihr wirtschaftlicher Nutzen lässt sich jedoch nur bewerten, wenn Leistungen, Mengen und Kosten bereits transparent sind.
Digitalisierung ersetzt daher keine wirtschaftliche Steuerung. Sie kann ihre Wirkung erst entfalten, wenn Verantwortlichkeiten geklärt, Prozesse beschrieben und relevante Daten verfügbar sind.
Wirtschaftlichkeit wird zur Führungsaufgabe
Die Herauslösung des grundzuständigen Messstellenbetriebs aus der Anreizregulierung war ein grundlegender Paradigmenwechsel. Die dafür erforderlichen Steuerungsmodelle sind in vielen Unternehmen jedoch noch nicht vollständig etabliert.
Historisch gewachsene Organisationsstrukturen und gemeinsam genutzte Ressourcen sind dabei kein grundsätzliches Hindernis. Sie müssen aber so abgebildet werden, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen auf den Messstellenbetrieb sichtbar werden.
Erst diese Transparenz ermöglicht es, Kosten gezielt zu beeinflussen, Optimierungspotenziale zu erkennen und den grundzuständigen Messstellenbetrieb langfristig wirtschaftlich auszurichten.
Der Beitrag ist in der Ausgabe 4|2026 des Fachmagazins e|m|w erschienen. Mitglieder des energate Clubs können diesen auch als Onlineartikel nachlesen.
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Weitere Informationen
Autor: Alexander Murrenhoff
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Aufbau neuer Geschäftsmodelle.
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