Mit der ersten Novelle des Bundesklimaschutzgesetz (KSG) hat sich die Bundesregierung im Jahr 2021 zum Ziel gesetzt, dass Deutschland spätestens bis zum Jahr 2045 Netto-Treibhausgasneutralität erreicht. Im europäischen Klimagesetz, welches im Rahmen des European Green Deals veröffentlicht wurde, wird festgeschrieben, dass die Europäische Union (EU) bis zum Jahr 2050 klimaneutral ist. Daraus folgt, dass die die Energie- und Wärmeversorgung in der EU bis 2050 klimaneutral zu gestalten ist, in Deutschland sogar bis zum Jahr 2045.

In Deutschland ist die Wärmeversorgung für mehr als 52 % des Endenergieverbrauchs verantwortlich. Im Jahr 2021 lag der Anteil von Erneuerbaren Energien mit 41,4 % in dem Sektor Strom wesentlich höher als im Sektor Wärme, in dem lediglich 16,5 % durch Erneuerbare Energien erzeugt worden ist.

Abbildung 1: Entwicklung des Einsatzes Erneuerbarer Energien in ausgewählten Sektoren (eigene Darstellung auf Basis der AGEE Stat 2022)

Aus diesem Grund trat am 15.09.2022 die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) in Kraft. Diese gilt als Nachfolger des Förderprogramms zum Modellvorhaben Wärmenetzsysteme 4.0 (WNS 4.0). Die BEW hat zum Ziel, einen Beitrag zur Erreichung der Treibhausgasneutralität besonders von Wärmeversorgung bis zum Jahr 2045 zu leisten. Dazu soll die Identifikation von in und die Investitionen in Maßnahmen angereizt werden, mit denen auf der einen Seite der Wärmebedarf z.B. über Sanierung des bestehenden Gebäudebestands reduziert wird und auf der anderen Seite der Anteil erneuerbarer Energien und Abwärme in Wärmenetzen in Deutschland gesteigert wird. Insgesamt soll so der Ausstoß von Treibhausgasemissionen in Wärmenetzen deutlich verringert werden.

Die Bedeutung und Notwendigkeit der Transformation von Wärmenetzen lässt sich durch die Erklärung vom Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz Robert Habeck im Rahmen der Veröffentlichung der BEW unterstreichen:

„Mit grünen Wärmenetzen leisten wir einen Beitrag zur Versorgungssicherheit und verringern unsere Abhängigkeit von fossilen Energieimporten. Mit der neuen Förderung investiert die Bundesregierung in stabile Wärmepreise und eine klimafreundliche Energieversorgung. Wärmenetze sind der Schlüssel, wenn wir das Heizen treibhausgasneutral machen wollen. Sie erschließen klimafreundliche Wärmequellen, die durch dezentrale Heizungen im Haus nicht nutzbar sind – darunter tiefe Geothermie, die ganzjährig, verlässlich und bei jedem Wetter hohe Temperaturen liefern kann. Wir bringen hier zukunftsorientierte Energiepolitik auf die Straße.“

Die BEW sieht eine Antragsberechtigung für folgenden Gruppen vor:

  • Unternehmen i.S.d. $ 14 BGB
  • Kommunen (soweit wirtschaftlich tätig)
  • kommunale Eigenbetriebe
  • kommunale Unternehmen
  • kommunale Zweckverbände
  • eingetragene Vereine
  • eingetragene Genossenschaften
  • Kontraktoren, insofern diese bestimmte Voraussetzungen und Anforderungen erfüllen

Insgesamt unterscheidet die BEW zwischen vier zeitlich aufeinander aufbauenden Modulen:

  • Modul 1: die Förderung von Transformationsplänen oder Machbarkeitsstudien,
  • Modul 2: die systemische Förderung eines Wärmenetzes (Investitionsförderung),
  • Modul 3: die Förderung von Einzelmaßnahmen an einem Wärmenetz
  • Modul 4: die Betriebskostenförderungen für Solarthermieanlagen und Wärmepumpen

Im Folgenden wird auf das Modul 1 und im Besonderen auf die Erstellung von Transformationsplänen genauer eingegangen. Transformationspläne sollen dem Zweck dienen „den zeitlichen, technischen und wirtschaftlichen Umbau bestehender Wärmenetzsysteme über einen längeren Zeitraum mit dem Ziel einer vollständigen Versorgung der Netze durch förderfähige erneuerbare Wärmequellen bis 2045 darzustellen“.

Gefördert werden in Modul 1 sowohl die Erstellung von Transformationsplänen und Machbarkeitsstudien als auch die Planungsleistungen angelehnt an die Leistungsphasen der Honorarabrechnung für Architekten und Ingenieure (HOIA) 1-4. Die Art und der Umfang der Förderung ergeben sich wie folgt:

  • Nicht rückzahlbarer Zuschuss zu den Kosten für die Erstellung von Transformationsplänen bzw. Machbarkeitsstudien
  • 50 Prozent der förderfähigen Kosten werden gefördert
  • Der Bewilligungszeitraum (ab Erlass des Zuwendungsbescheids) beträgt zwölf Monate und kann auf Antrag einmalig um bis zu zwölf Monate verlängert werden
  • Die maximale Fördersumme beträgt 2 Millionen Euro pro Antrag

Ein förderfähiger Transformationsplan muss konkrete Maßnahmen in bestimmbaren Zeithorizonten sowie die dafür notwendigen Ressourcen darlegen. Die BEW unterteilt einen Transformationsplan in 4 Arbeitsschritte, für die jeweils eine Reihe von Mindestanforderungen gelten, welche als Voraussetzung für dessen Förderfähigkeit dienen. Im Folgenden werden einzelne Mindestanforderungen skizziert. Die Mindestanforderungen können Sie in ihrer Gesamtheit in der Veröffentlichung zur BEW des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz im Anhang 3 nachlesen.

  1. Abbildung des Ist-Zustands des Wärmenetzes und der Umgebung des Wärmenetzes

Zuerst ist die genaue Definition des im Transformationsplan untersuchten Wärmenetzes bzw. Netzteils notwendig. In diesem Wärmenetz ist anschließend der durchschnittliche Energieverbrauch bzw. -bedarf für Wärme und Kälte zu erfassen und darzustellen. Die aktuelle Betriebsweise des Wärmenetzes ist zu beschreiben und eine Energie- und Treibhausbilanz muss erstellt werden. Danach können die Potenziale zur Treibhausgasminderung dargestellt werden. Konkret geht es um Potenziale der Nutzung Erneuerbarer Energie, der Errichtung von Anlagen zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien in Verbindung mit dem Betrieb des Wärmenetztes, der Nutzung von Abwärme und Wärme aus thermischen Abfallbehandlungsanlagen, der Nutzung von KWK unter Berücksichtigung der Treibhausgasneutralität 2045 sowie der Integration von Kurzfrist- und saisonalen Wärmespeicherung zur Entkopplung von Wärmebedarf und Erzeugung. Zuletzt sind Potenziale zur Erweiterung des Wärmenetz räumlich darzustellen.

  1. Aufzeigen zukünftiger Entwicklungspfade des Netzes bis zum Dekarbonisierungsziel

Anfänglich sind langfristige Bedarfsszenarien für Wärme und Kälte unter Berücksichtigung energetischer Sanierung, Zuwachsraten und Um- und Ausbaufolgen zu erstellen. Das Wärmeerzeuge-Portfolio ist hinsichtlich der Neu- und Ersatzinvestitionen unter Berücksichtigung aller relevanten Einflussfaktoren auszuweisen. Zusätzlich muss ein realistischer Ausstiegspfad aus der fossilen KWK, der nicht überwiegend aus einem Umstieg auf Wasserstoff und synthetische Brennstoffe besteht, vorgezeichnet werden. Insgesamt muss ein realistischer Pfad bis zur vollständigen Vermeidung von Treibhausgasemissionen bis 2045 erarbeitet werden, bei geplanten Erweiterungen des Wärmenetzes sind diese räumlich und zeitlich vorzustellen. Abschließend muss analysiert werden, wie und bis auf welches Niveau eine Temperaturabsenkung des Wärmenetzes realisierbar ist. Kundenseitige Maßnahmen zur Temperaturabsenkung sind dabei gesondert darzustellen.

  1. Genaue Beschreibung der erforderlichen Maßnahmen im Netz

Im Abschnitt drei sieht die BEW folgenden Mindestanforderungen vor. Die geplanten Maßnahmen müssen anlagenscharf technisch beschrieben werden, die Maßnahmen der ersten vier Jahre sind dabei besonders detailliert zu beschreiben. Ein Kommunikationskonzept, welches sich auf die Planung und Durchführung kundenseitiger Maßnahmen konzentriert, muss ausgearbeitet und vorgelegt werden. Durch die Maßnahmen verursachte Investitionen für Anlagentechnik und Kosten für Betriebsführung müssen dargestellt werden inklusive des Kostencontrollings dieser. Zusätzlich müssen die eingesparten Energiemengen und CO2-Emissionen nach Berechnungsmethodik der BAFA ausgerechnet werden. Der Kostenrahmen und die förderfähigen Kosten müssen für die Maßnahmen ausgewiesen werden. Zuletzt muss die Entwicklung der Wärmegestehungskosten auf Basis der Maßnahmen und die daraus entstehende Entwicklung der Endkundenpreise plausibel dargestellt werden.

  1. Analyse von Umfeldmaßnahmen und Kontext

Als Bestandteil des Transformationsplans können verschiedene Umwelt- und Kontextmaßnahmen förderfähig sein. Neben der Konzeption von Tarifierungsmodellen und der Vorbereitung für die Automatisierung, handelt es sich dabei auch um die Konzeption des IT-Datenmanagements und Kosten für Akquisetätigkeiten. Nicht förderfähig, jedoch im Rahmen des Transformationsplans darzulegend ist die Kopplung der Maßnahmen mit dem Straßenbau, Leitungsarbeiten und Quartiersentwicklungen.

Abbildung 2: Bestandteile eines Transformationsplans gemäß BEW (eigene Darstellung)

Abgrenzung des Transformationsplan von der Machbarkeitsstudie

Neben der Erstellung von Transformationsplänen kann im Modul 1 der BEW auch die Durchführung von Machbarkeitsstudien gefördert werden. Was ist jedoch der genaue Unterschied zwischen Transformationsplänen und Machbarkeitsstudien?

Unter dem Begriff Transformationsplan ist die zeitliche, technische und ökonomische Abbildung des Umbaus bestehender Wärmenetze, mit dem Ziel der Treibhausgasneutralität bis spätestens 2045, zu verstehen.

Hingegen beschäftigt sich eine Machbarkeitsstudie mit der zeitlichen, technischen und ökonomischen Realisierbarkeit eines neuen, treibhausgasarmen Wärmenetz mit überwiegend erneuerbarer Wärmeerzeugung. Die Fördervoraussetzung der BEW für eine Machbarkeitsstudie ist ein Anteil von mindestens 75 % Erneuerbarer Energien und Abwärme am geplanten Wärmenetz. Zudem ist, wie auch beim Transformationsplan, ein Zielbild des treibhausgasneutralen Wärmenetz und der verbundene Transformationspfad darzustellen. Zusätzlich sind indikative Anteile Erneuerbarer Energien an der Wärmeerzeugung für die Jahr 2030, 2035 und 2040 zu skizzieren. Insgesamt umfasst die Machbarkeitsstudie folgende Bestandteile.

Abbildung 2 und 3: Bestandteile eines Transformationsplans und der Machbarkeitsstudie gemäß BEW (eigene Darstellung)

Eine Gemeinsamkeit der beiden Bestandteile liegt in dem vorgegebenen Mindestumfang für die Förderfähigkeit. Beide müssen auf die Wärmeversorgung von mehr als 16 Gebäuden oder mehr als 100 Wohneinheiten ausgerichtet sein.

Abgrenzung der Transformationsplanung und der kommunalen Wärmeplanung

Nun stellt sich die Frage, inwiefern die BEW die Transformationsplanung und die Durchführung von Machbarkeitsstudien von der kommunalen Wärmeplanung und Quartierskonzepten, besonders solchen mit Fokus auf der Wärmeversorgung, abgrenzt.

Die kommunale Wärmeplanung gewinnt für Kommunen immer mehr an Bedeutung. Als erstes deutsches Bundesland hat Badem-Württemberg im Oktober 2021 Stadtkreise und große Kreisstädte zum Vorlegen einer kommunalen Wärmeplanung bis zum 31. Dezember 2023 verpflichtet. Wie ist jedoch die Beziehung zwischen dem Transformationsplan, der kommunalen Wärmeplanung und dem Quartierskonzept? Die BEW sieht eine enge Verzahnung von Transformationsplänen und der kommunalen Wärmeplanung vor und bestimmt die Integration der Planungsvorhaben zum Zeitpunkt der Erstellung des Transformationsplans.

Abbildung 4: Vergleich von Transformationsplanung, kommunaler Wärmeplanung und Quartierskonzept (eigene Darstellung in Anlehnung an das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg)

  • Sofern für das in der Transformationsplanung betrachtete Wärmenetzgebiet eine kommunale Wärmeplanung durchgeführt wurde oder ein Quartierskonzept vorliegt, sind die Ergebnisse dieser Wärmeplanung, beispielsweise die Bestands- und Potenzialanalysen, die erhobenen Daten und durchgeführten Prozesse für den Wärmenetz-Transformationsplan zu verwenden und gegebenenfalls anzupassen.
  • Falls zeitgleich eine kommunale Wärmeplanung durchgeführt wird, sind beide Prozesse miteinander zu verzahnen.
  • Falls nachgelagert eine kommunale Wärmeplanung durchgeführt wird, sind die Ergebnisse zum Ist-Zustand des Wärmenetzes und der Umgebung des Wärmenetzes für den kommunalen Wärmeplan in geeignetem Detaillierungsgrad zur Verfügung zu stellen.
  • Sofern für das Versorgungsgebiet des Wärmenetzes keine kommunale Wärmeplanung vorliegt, ist darzulegen, dass im Rahmen der Erstellung des Transformationsplans die erforderlichen Abstimmungen mit kommunalen Entscheidungsträgern vor Ort erfolgt sind.

Bisher hat sich der Einsatz von Erneuerbaren Energien in der Wärmeversorgung nur bedingt durchsetzen können. Durch das Inkrafttreten der BEW könnte sich die ändern, da diese mit Förderquoten im Rahmen von 40-50 % einen massiven Anreiz darstellt. Somit können selbst zukünftige Geschäftsmodelle, welche zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirtschaftlich sind, schon heute in der Transformationsplanung berücksichtigt und umgesetzt werden und so einen wichtigen Baustein für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung bilden. Dadurch ist zu erwarten, dass die Wärmewende um einiges disruptiver sein wird als die elektrische Energiewende.

Beitrag von Transformationsplänen zur Geschäftsfeldentwicklung

Werden Gebäude saniert oder neu errichtet, ist die ökologische Qualität der vorgelagerten Fernwärmeversorgung zur Erfüllung der baurechtlichen Vorgaben besonders relevant. In Verbindung mit einer Transformationsplanung kann der Wärmeversorger im Voraus nachweisen, dass die Anforderungen in Verbindungen mit einer Fernwärmeversorgung erfüllt werden. Somit stellt die Transformationsplanung auch eine strategische Geschäftsfeldabsicherung dar.

 

Die Horizonte Group unterstützt Wärmeversorgungsunternehmen bei der Erstellung von Transformationsplänen sowie bei der Durchführung von Machbarkeitsstudien und auch bei der kommunalen Wärmeplanung. Grundsätzlich wird das ganzheitliche Konzept von Antragsstellung bis hin zur Projektrealisierung angeboten, aber auch eine Begleitung bei einzelnen Maßnahmen ist möglich.

Möchten Sie gern mehr zum Thema kommunale Wärmeplanung erfahren? Sprechen Sie einfach unser Team für Wärme & Effizienz an.