Technische Studie 2.0: Reichstag statt Konferenzraum
Am 29. Januar 2026 ging es für unsere HG-Experten nicht in einen üblichen Workshopraum, sondern in den Reichstag nach Berlin. Anlass: unser parlamentarisches Frühstück zur Technischen Studie 2.0 – Steuern in der Niederspannung.
Gemeinsam mit Vertreter*innen aus Politik, Stadtwerken, Netz- und Messstellenbetrieb stand zur frühen Stunde eine Frage im Raum, die aktuell viele umtreibt:
- Ist der Steuerungsrollout in der geplanten Form überhaupt umsetzbar?
Eindeutig war die zentrale Botschaft dabei:
Der regulatorische Rahmen setzt wichtige Impulse – ist aber in der aktuellen Ausgestaltung nicht umsetzbar.
2026 ist noch ein Jahr das Testens
Klar benannt wurde ein Punkt, der in vielen Projekten längst spürbar ist:
Der verpflichtende Start des Massenrollouts von Steuereinheiten bis Ende 2026 ist unter heutigen Bedingungen nicht realistisch.
Nicht mangelnder Wille bremst – sondern die Realität:
- ERP-Systeme sind für durchgängige Steuerungsprozesse oft noch nicht vorbereitet
- Montage und Inbetriebnahme funktionieren im Einzelfall, aber nicht in der Fläche
- WAN-Kommunikation bleibt vorerst eine Schwachstelle
Aus der Praxis betrachtet heißt das:
Ein stabiler Massenprozess lässt sich auf dieser Basis aktuell nicht aufbauen.
Regulierung trifft auf Umsetzung – und verfehlt sie teilweise
Spürbar wurde in der Diskussion auch, wo die eigentliche Spannung liegt:
Auf der einen Seite ein klarer politischer Wille zur Beschleunigung.
Auf der anderen Seite eine Umsetzung, die deutlich komplexer ist als es die Regulierung aktuell abbildet.
Zu ambitionierte Fristen führen dabei nicht zu Geschwindigkeit, sondern zu bekannten Mustern:
- Workarounds
- Insellösungen
- technische Schulden
Parallel dazu fehlt an mehreren Stellen die notwendige Konsistenz:
- Leistungsgrenzen sind zwischen MsbG, EEG und EnWG nicht sauber harmonisiert
- Rollout-Vorgaben orientieren sich zu stark an Fläche statt an Netzsituation
Gerade letzteres ist für Stadtwerke entscheidend:
Ein Netz in Schleswig-Holstein funktioniert anders als eines in Bayern. Ein einheitlicher Ansatz wird dieser Realität nicht gerecht.
Stufen statt Wunschdenken
Genau deshalb setzt die Technische Studie 2.0 auf ein klares Stufenmodell bis 2028:
- Technischer Durchstich
- Funktionsfähige Steuerung
- Massenfähige Umsetzung
- Ende-zu-Ende-Netzsteuerung
Dahinter steckt keine Theorie, sondern Projekterfahrung:
Steuerung entsteht nicht per Stichtag – sondern über aufeinander aufbauende, stabile Schritte.
Auch im politischen Austausch wurde deutlich:
Ein solcher Pfad ist realistischer als ein sprunghafter Übergang in die Fläche.
Berlin als richtiger Ort für die Diskussion
Besonders war auch der Rahmen: Reichstag statt Konferenzraum.
Unter der Schirmherrschaft von MdB Florian Oßner entstand ein Austausch, der die Perspektiven zusammengebracht hat, die sonst oft getrennt diskutieren:
Politik, Netzbetrieb, Messstellenbetrieb und Umsetzung.
Selten ergibt sich die Gelegenheit, genau dort über Umsetzbarkeit zu sprechen, wo die regulatorischen Leitplanken entstehen.
Umso wichtiger war es, die Perspektive aus der Praxis direkt einzubringen.
Was aus Sicht der Branche jetzt passieren muss
Aus Studie und Diskussion ergibt sich ein recht klares Bild:
- Fristen müssen eine realistische Umsetzung ermöglichen (Vorgaben zwischen MsbG, EEG und EnWG gehören sauber harmonisiert
- Der Rollout für die Steuerung in der Niederspannung sollte netzorientiert priorisiert werden statt flächendeckend
- Kunden und Installateure müssen frühzeitig eingebunden werden
Ohne diese Anpassungen droht kein Stillstand – sondern etwas anderes:
ein ineffizienter Rollout, der später teuer korrigiert werden muss.
Die vollständige Studie kann unter folgendem Link angefordert werden:
https://www.horizonte.group/studie2025/
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